Die Entstehung des Tessanda Fibonacci Seidenschals

Zeit- und schnörkellose Ästhetik und Harmonie! Dieser Seidenschal ist in Zusammenarbeit mit der Hand-Weberei Tessanda entstanden und wird im TESSANDA Shop vertrieben.

Fibonacci Scarf, Marine-Lime, Gauthier Cerf, FineArt Print, 2025, 34 x 133 cm

Die Zusammenarbeit zwischen Gauthier Cerf und der Tessanda

Im Dezember 2024 habe ich Maya Repele, die Geschäftsführerin der Tessanda Hand-Weberei im Val Müstair, an einer Kunstausstellung kennengelernt, an der ich meine Bilder und Skulpturen präsentierte. Spontan ist die Idee einer Zusammenarbeit geboren.

Mein Grossvater war über fünfzig Jahre lang in einer Weberei tätig, so habe ich eine Affinität zum Weben und zu Textilien. Ich war fasziniert von der Herausforderung, den Transfer von der Bild-Kunst zu einer Web-Kunst zu schaffen. Schon bald konnte ich in der Manufaktur miterleben, wie die Stoffe entwickelt und von Hand hergestellt werden.

Ein ausgiebiger Besuch im berühmten Textile Museum in Tilburg, Niederlande, hat mir weitere Impulse und Einsichten gebracht, insbesondere in Bezug auf die Verbindung von Kunst und Webehandwerk. Mir wurde bewusst, was möglich ist und was nicht, wie die Bindung die Muster und Farben sowohl der Rück- als auch der Vorderseite des Stoffes beeinflusst. Ich fing an viele weitere Details zu erkennen.

Ich begann erste Entwürfe für einen Schal zu konzipieren. Als Grundmuster dienste das Bild Fibonacci Scarf (siehe oben). Die Entwürfe wurden mehrfach im Projektteam mit den Weberinnen Luisa und Martina validiert. In mehreren Arbeitsdurchgängen wurden Webmuster entwickelt und diese anschliessend am Webstuhl auf ihre Machbarkeit überprüft, laufend wurde verfeinert, wo es möglich war. Die Wahl der Fadenfarben, der passenden Bindung und der sich daraus ergebenden Schalfarben war eine Herausforderung. Die junge Weberin Maria hat geduldig Fäden gezählt und die Fadendichte angepasst, bis Webmuster und Design übereinstimmten. Es ist gar nicht so einfach, beim Weben die richtigen Masse zu erzielen. Dabei müssen u.a. Fadendicke, Fadendichte, Einlaufprozente farbenabhängig berücksichtigt und bestimmt werden. Es war für mich sehr beeindruckend mitzuerleben, wie das Tessanda-Frauenteam mit Herz und Seele bei der Arbeit ist.

Das Tessanda-Frauen Team und ich sind uns einig: Es war eine schöne, faszinierende und fruchtbare Zusammenarbeit! Sie stand unter dem Motto: Miteinander gestalten. Voneinander lernen. Sich gegenseitig inspirieren.

Hier geht es zum Kurzfilm (Vimeo) des Fotografen Mayk Wendt, der einige Eindrücke der Entstehung zeigt.

Ich bedanke mich herzlich beim ganzen Tessanda-Team und bei Mayk Wendt!

Das Design

Der Fibonacci Schal (engl. Scarf) hat eine Breite von 55 cm und eine Länge von 215 cm. Die Kettfä­den verlaufen längs des Schals, die Schussfäden quer. Im Muster sind gleich vier Fibonacci Reihen ineinander «ge­woben» (siehe Abbildung oben). Eine Reihe besteht aus einer Folge von Fibonacci Streifen, die quer über den Schal verlaufen und eine Breite von 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 cm haben. Die Fibonacci-Relationen geben dem Schal eine Harmonie und Kraft.

Der Schal ist mittig spiegelsymmetrisch. Von dort verläuft je eine Fibonacci Reihe in Marine-Dun­kelblau nach links und nach rechts. Die anderen zwei Reihen sind in Lindgrün gefärbt. Sie verlau­fen von aussen (rechts und links) nach innen und treffen sich in der Mitte. Die lindgrünen Streifen bilden die Zwischenräume der Marine-blauen Streifen und umgekehrt.

Den Schal gibt es in vier Farben: Lindgrün, Silber, Hellblau (Ciel) und Orange (Mohn). Das Marine-Dunkelblau ist allen gemeinsam.

Genauigkeit ist gefragt.

Der Seidenschal

Eine Garnauswahl für den Fibonacci Schal.

Das Garn ist eine hochwertige Seide, die dem Schal einen edlen Glanz verleiht und die Haptik zu einem Vergnügen macht. Das Webmuster ist eine Köper-Bindung. Diese bewirkt ein ineinander «fliessen» der beiden Farben. In das Webmuster mit den zarten, wellen-ähnlichen Zeichen werden zwei Schuss Leinenbindung eingefügt, die mit einem deutlich stärkeren Anschlag gewoben werden müssen. Das Klack-klack des Webstuhls ist deshalb in zwei unterschiedlichen Tempi und Lautstärken zu hören – eine Rarität.

Der Fibonacci-Schal heisst „Luisa“, weil die Weberin Luisa den Schal mitentwickelt hat. Am Schal selbst ist eine Papieretikette mit dem Namen der Weberin angehängt, die das Gewebe gewoben hat. Ein schönes Zeichen der Wertschätzung.